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Die Sinnesleistungen der Eulen

Sehen - am Tag und in der Nacht

Damit Eulen auch bei wenig Licht noch beute jagen können, sind ihre Augen extrem lichtempfindlich und riesengroß. Sie nehmen rund ein Drittel des Eulenkopfes ein. Hätten wir Menschen ähnlich bemessene Augen, müßten sie so groß wie Äpfel sein.

Die großen Augen der Eulen benötigen einen breiten Schädel. Sie sind starr nach vorne gerichtet, was ihnen besonders gut das räumliche Sehen ermöglicht. Das damit verbundene kleine Sehfeld von nur 60 - 70 Grad wird durch die Drehmöglichkeit des Kopfes um bis zu 270 Grad ausgeglichen. Bei einer Kopfdrehung nach rechts kann eine Eule über die linke Schulter sehen. Möglich wird diese Beweglichkeit durch 14 Halswirbel. Zum Vergleich: alle anderen Wirbeltiere haben nur 7 Halswirbel. Typisch für alle Eulen ist auch ein seitliches Pendeln, Kreisen und Schaukeln des Kopfes sowie ein Auf und Ab des Körpers. Diese komisch wirkenden Bewegungen dienen der Fixierung von Beutetieren zur Abschätzung der Entfernung.

Durch die besonders große Hornhaut kann auch wenig Licht noch optimal ausgenutzt werden. Bei völliger Dunkelheit können jedoch auch Eulen nichts mehr sehen. Bei hellem Licht dagegen werden die Pupillen der Eulen stark verengt, um Schäden am Auge zu vermeiden.. Eulen scheinen jedoch weitsichtig zu sein. Nahrung, die direkt vor ihren Füßen liegt, sehen sie nicht, sondern müssen sie mit den Zehen oder den Schnabelborsten ertasten.

Das Eulengehör - eine Spitzenleistung

Eulen hören ganz ausgezeichnet. Der große Gesichtsschleier dient dabei wie ein Parabolspiegel als zusätzlicher Verstärker. Auch hier wird der Kopf zur Ortung der Beute so lange hin und hergedreht, bis die Lautstärke auf beiden Ohren gleich ist.

Auch eine Asymmetrie der beiden Seiten des Eulekopfes dient der millimetergenauen Peilung. Bei Ohreulen und einigen Käuzen ist der Schädel unsymmetrisch, beim Rauhfußkauz der ganze Schleier. Bei der Schleiereule sitzen Hautlappen über den Ohröffnungen, die unterschiedlich weit nach oben bzw.unten gezogen sind. Aufgrund dieser Asymmetrie empfangen Eulen auch von einer Geräuschquelle, die sich direkt in der Mitte des Schleiers nach oben oder unten bewegt (z.B. eine wegflüchtende Maus), in den Ohren Signale unterschiedlicher Lautstärke.

Durch das Zusammenwirken von Ohrasymmetrie und Gesichtsschleier werden die Eulen bezüglich der Geräuschortung von keiner Wirbeltiergruppe übertroffen. Ein Rauhfußkauz kann eine Maus noch aus 60 m orten. Und auch Schleiereulen können dadurch noch bei absoluter Dunkelheit Mäuse in Scheunen durch das Gehör lokalisieren und erbeuten.

Nicht zu verwechseln mit den Ohren sind die Federohren der Ohreulen. Die Bedeutung dieser Federbüsche ist noch nicht genau bekannt. Da sie bei Erregung und nahender Gefahr aufgestellt werden, dienen sie möglicherweise zum Drohen und Abschrecken.

Unterschiedliche Sinnesleistungen verschiedener Eulenarten

Die Empfindlichkeit von Auge und Gehör ist bei den verschiedenen Eulenarten unterschiedlich stark ausgebildet. Die mehr dämmerungs- und tagaktiven Eulen können besonders scharf sehen. Hierzu gehören v. a. Schneeeule und Sperbereule sowie auch Sumpfohreule, Sperlingskauz und Steinkauz. Mit zunehmender Nachtaktivität nimmt auch die Spezialisierung des Gehörs zu. Unübertroffen ist dabei die Sinnesleistung der Schleiereule, an der sich am ehesten der Rauhfußkauz und der Bartkauz messen können. Auch Uhu, Waldkauz und Waldohreule haben ein sehr gutes Gehör.

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